Beim Gaigel bekommt jeder fünf Karten, die Trumpffarbe liegt offen unter dem Stapel. Gestochen wird nach Schnapsen-Art: Solange der Stapel nicht aufgebraucht ist, gibt es keinen Farbzwang, danach muss bedient und gestochen werden. Punkte bringen die Augen der Stiche und gemeldete Paare aus König und Ober. Wer zuerst 101 Punkte erreicht und „Aus" sagt, gewinnt.

Kartenwerte und Rangfolge

KarteAugenRang
Ass (Sau)11höchste
Zehn102.
König43.
Ober34.
Unter25.
Sieben (Dissle)0niedrigste

Jede Karte ist doppelt vorhanden; liegen zwei gleiche im Stich, gewinnt die zuerst gespielte. Trumpf sticht jede andere Farbe. Der letzte Stich bringt in vielen Runden zehn Zusatzpunkte.

Geben und Spielbeginn

Der Geber gibt jedem fünf Karten (3 + 2), deckt die nächste Karte als Trumpf auf und legt sie quer unter den Stapel. Die Vorhand spielt die erste Karte aus — und hier beginnen die Gaigel-Besonderheiten:

  • Andere hat

    Spielt die Vorhand zum ersten Stich ein Ass verdeckt aus und sagt „Andere hat", muss der Gegner eine Karte zugeben. Legt er das zweite Ass derselben Farbe, gewinnt er den Stich und 101 Punkte — das Spiel sofort. Sonst gewinnt die Vorhand den Stich.

  • Höher hat

    Variante: Die Vorhand spielt eine Karte verdeckt und sagt „Höher hat" — der Gegner gewinnt nur, wenn seine Karte höher ist.

  • Dissle

    Wer die Trumpfsieben hat, darf sie gegen die offene Trumpfkarte tauschen, solange noch Karten im Stapel sind. Wer die zweite Trumpfsieben hat, kann sie ebenfalls tauschen.

Stechen, Nachziehen und Melden

Der Gegner muss weder bedienen noch stechen, solange der Stapel Karten hat: Er darf jede Karte zugeben. Wer den Stich gewinnt, zieht zuerst eine Karte nach, dann der Verlierer; der Stichgewinner spielt aus. Ist der Stapel leer, herrscht Farbzwang und Stichzwang — bedienen und dabei überstechen, wenn möglich, sonst Trumpf. Nach einem gewonnenen Stich darf ein Spieler ein Paar melden: König und Ober einer Farbe bringen 20 Punkte, in Trumpf 40. Beim Melden wird eine der beiden Karten ausgespielt, die andere vorgezeigt. Zu viert spielen die Partner gegenüber, und Meldungen zählen für das Team.

Gaigel und Spielende

Wer 101 Punkte erreicht, sagt „Aus" oder „Gaigel" und gewinnt sofort — die Punkte werden laufend im Kopf gezählt, aufschreiben ist nicht erlaubt. Wer fälschlich „Aus" sagt, verliert die Runde. Einen doppelten Verlust gibt es, wenn der Gegner keinen Stich gemacht hat („Gaigel"), und ein besonderer Sieg ist der „Dissle-Gaigel": das Spiel mit dem letzten Stich durch eine Sieben zu gewinnen. Wer den letzten Stich macht, ohne dass die 101 erreicht sind, bekommt zehn Punkte dazu. Regional gelten weitere Regeln — etwa Aus erst nach einem eigenen Stich, oder dass ein Spieler mit weniger als 30 Punkten doppelt verliert.

Taktik

  • Mitzählen

    Wer die Augen nicht mitrechnet, ruft „Aus" zu früh oder zu spät. Übe das Zählen, es entscheidet die meisten Partien.

  • Paare halten

    Ein König-Ober-Paar in Trumpf ist 40 Punkte — fast die Hälfte des Ziels. Spiele die Karten nicht einzeln in einen billigen Stich.

  • Stapelende beachten

    Mit dem letzten Nachziehen beginnt der Farbzwang: Hohe Asse und Zehnen vorher in Sicherheit bringen oder für das Ende Trümpfe sammeln.

Regionale Regeln und Verwandte

Gaigel wird in Württemberg seit dem 19. Jahrhundert gespielt und stand lange im Ruf, das Spiel der Wirtshäuser zu sein — der Name selbst bezeichnet den doppelten Verlust, wenn der Gegner ohne Stich bleibt. Die Regeln unterscheiden sich von Ort zu Ort mehr als bei fast jedem anderen Spiel: Ob „Andere hat" mit dem Ass oder auch mit anderen Karten funktioniert, ob der zweite Trumpfsiebener getauscht werden darf, ob beim „Aus" ein eigener Stich Voraussetzung ist und ob der letzte Stich zehn Punkte bringt, muss vor der Partie geklärt werden. Zu sechst spielen zwei Dreierteams mit nur vier Handkarten; zu dritt spielt jeder für sich, und die Meldungen werden strenger gehandhabt.

Die nächsten Verwandten sind das Schnapsen (20 Karten, 66 Punkte, Meldungen 20/40) und das Sechsundsechzig (24 Karten), aus dem sich Gaigel mit dem doppelten Blatt entwickelt hat. Das Binokel teilt Blatt und Meldungen, hat aber Reizen und Dabb. Wer Schnapsen kann, lernt Gaigel in einer Runde — die Sonderregeln „Andere hat", „Höher hat" und das Dissle sind die einzigen echten Neuheiten.

18+ · Nur zum Lernen. Gaigel wird traditionell um kleine Beträge gespielt — das ist Glücksspiel. Hier geht es ums Verstehen der Regeln; Hilfe unter check-dein-spiel.de.

HÄUFIGE FRAGEN

Wie viele Punkte braucht man, um beim Gaigel zu gewinnen?

Man muss als Erster 101 Punkte erreichen und dann „Aus“ oder „Gaigel“ sagen, um sofort zu gewinnen.

Welche besonderen Punkte bringen König und Ober?

Ein Paar aus König und Ober bringt 20 Punkte, in Trumpf sogar 40 Punkte. Sie müssen nach einem gewonnenen Stich gemeldet werden.

Was ist der Unterschied zwischen Gaigel und Dissle-Gaigel?

Ein einfacher Gaigel ist der Sieg mit 101 Punkten, während Dissle-Gaigel bedeutet, das Spiel mit dem letzten Stich durch eine Sieben zu gewinnen. Ein doppelter Verlust entsteht, wenn der Gegner keinen Stich gemacht hat.

Gelten beim Gaigel Farbzwang und Stichzwang?

Solange der Stapel Karten hat, gibt es keinen Farbzwang. Ist der Stapel leer, muss bedient werden und bei Möglichkeit auch übergestochen oder Trumpf gespielt werden.
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